Neben der Kaiserburg ist die Lorenzkirche das wohl beeindruckendste architektonische Zeugnis der Blüte der Stadt. Von 1270 bis 1353/60 wurde die Lorenzkirche im gotischen Stil erbaut und fasziniert noch heute. Als Gegengewicht zur Verehrung des St. Sebaldus in der Nachbarkirche überführte man die Reliquien des HI.  Deocar hierher. 1439 wurde das Kirchenschiff um einen spätgotischen Hallenchor erweitert. Die Westfassade der Kirche zeichnet sich durch eine reiche Verzierung aus. Der Blick wird von der sich scheinbar drehenden zehn Meter hohen Rosette angezogen. Kunstvoll gestaltet ist auch der 15 Meter hohe durchbrochene Ziergiebel, der das ganze Ensemble krönt. Das um 1355/60 entstandene Hauptportal stellt eine Reihe von Szenen aus der Kindheit Jesu, der Leidensgeschichte und dem Jüngsten Gericht dar. Im Kircheninnenraum, mit Kreuzrippengewolbe, kann man die Muttergottes (1280190), die älteste Steinplastik Nürnbergs, besichtigen, sowie den Bronzeleuchter von Peter Vischer d.Ä., die Holzstatue des Erzengels Michael (1489) von Veit Stoß und natürlich seinen eindrucksvollen Engelsgruß (1517/18). Nicht zu übersehen ist ebenfalls das berühmte Sakramentshäuschen (1493/1496) von Adam Kraft.

Bei der Übernahme Nürnbergs durch Bayern im Jahr 1806 wurden zur Deckung der Stadtschulden große Schäden an den Kunstschätzen der Kirche verursacht. Den Silberschrein des HI. Deocar beispielsweise schmolz man ein, ebenso das mittelalterliches Bronzetaufbecken.
Direkt gegenüber der Lorenzkirche steht ein illustres Zeugnis der Wohnarchitektur des 13. Jahrhunderts – das Nassauer Haus. Es ist das älteste erhaltene Wohnhaus der Stadt und präsentiert sich in Form eines Wohn- oder Wehrturms dessen Fassade mit zahlreichen Papst-,
Reichs- und Kurfürstenwappen verziert ist. Seinen Namen erhielt das Gebäude nach König Adolph von Nassau, der angeblich seine Krone an den im Haus lebenden Kaufmann verpfändete, um seine Schulden abzuzahlen. Tatsächlich fand ein vergleichbares Ereignis erst im 15. Jahrhundert mit Kaiser Sigismund als Schuldner statt.

Die eigentliche Hauptkirche Nürnbergs ist die St. Sebalduskirche. Sie erhielt ihren Namen von dem Eremiten Sebald, dessen Wundertätigkeit sein Grab frühzeitig zur Wallfahrtsstätte werden ließ. Seit seiner Kanonisierung im Jahre 1425 gilt Sebaldus als Stadtheiliger. Der heutige Kirchenbau entstand in verschiedenen Bauphasen zwischen 1230/40 und dem Ende des 15. Jahrhunderts. Das Mittelschiff. die unteren Turmteile und der Westchor sind die Reste einer romanischen Pfeilerbasilika. lm 14. Jahrhundert sind die Seitenflügel durch einen hochgotischen Altarraum der Lorenzkirche mit Bronzeleuchter von Peter Vischer d.Ä. Neubau ersetzt worden. Der Hallenchor, auch Sebalder Chor (1361) genannt, ist ein spätgotisches Werk. Die beiden 77 Meter hohen Türme wurden im ausgehenden 15. Jahrhundert erhöht, um ein optisches Gegenstück zum Chor zu schaffen.

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Kirche ist das erzene Sebaldus-Grabmal (1519) von Peter Vischer d.Ä., das die Reliquien des Nürnberger Stadtheiligen birgt. Die Kreuzigungsgruppe (1520) von Veit Stoß steht seit 1663, neben anderen Werken aus seiner Hand, in der Sebalduskirche. An der Außenwand des Ostchors findet man das Schreyer-Landauersche Epitaph von Adam Kraft. Dieser berühmte Nürnberger Künstler hat 1490/92 damit sein erstes Monumentalwerk geschaffen, das Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu darstellt. Den Sebalder Pfarrhof nördlich der Kirche ziert das schönste Nürnberger Chörlein. dessen Original im Germanischen Nationalmuseum zu besichtigen ist. Diese regionaltypischen erkerartigen Fassadenvorbauten kann man bei einem Stadtbummel immer wieder entdecken. Ein Relikt der Stadtbefestigung ist der aus der Zeit um 1250 stammende Weiße Turm. Früher war er hell verputzt. was ihm seinen heute eher unverständlichen Namen gab. Mitte der 70er Jahre wurde der Turm rekonstruiert und zu einer U-Bahn-Station ausgebaut. Stets war Nürnberg eine betont kaisertreue Stadt. Das machte sie zwar abhängig vom Reich und seinen Regenten, es war aber auch eine wichtige Grundlage für den weiteren Aufstieg Nürnbergs zur großen und bedeutenden Reichsstadt. Nürnberg unterstand direkt dem Kaiser und übernahm schon im 14. Jahrhundert die politische Führung der fränkischen Reichsstädte. Ein großer Erfolg für die Noris war die 1356 verkündete „Goldene Bulle“, die jeden neu gewählten Kaiser dazu verpflichtete, seinen ersten Reichstag in Nürnberg abzuhalten. In dieser blühenden Epoche entstanden auch zahlreiche prägende Bauten und Plätze, so z.B. der Hauptmarkt mit seiner Frauenkirche im spätgotischen Stil. Nicht nur das berühmte symbolhafte „Männleinlaufen“ – sieben Kurfürsten umschreiten Kaiser Karl IV. – ist sehenswert, sondern auch der Michaelschor, der 1361 die Reichskleinodien ausstellte. Heute ist die Kirche mit bemerkenswerten Kunstwerken ausgestattet.

Man kann zwei Arbeiten von Adam Kraft besichtigen, die Altarblätter des Tucheraltars (1440/50), die ein bedeutendes Zeugnis vordürerscher Tafelmalerei darstellen und das farbige Grabdenkmal für Hans Rebeck aus dem Jahr 1500 mit einer Mariendarstellung. Direkt am Hauptmarkt. auf dem jährlich im Dezember der Christkindlesmarkt abgehalten wird, steht als Blickfang der Schöne Brunnen aus dem 14. Jahrhundert. Die Brunnenschale ist von einem kunstvollen Gitter umgeben. 40 Skulpturen zeigen Evangelisten, Kirchenväter, antike und biblische Helden, Moses, sowie die sieben Propheten. Der berühmte Ring ohne Naht ist das „Meisterstück eines Lehrlings, der nach einer Schelte seines Meisters sein wahres Können unter Beweis stellen wollte. Dieser Ring – siehe oben, obwohl schon mehrfach erneuert veranlasst so manchen Stadtbesucher, daran zu drehen – doch ob man dadurch nach Nürnberg zurückkommt, sich ein Wunsch erfüllt oder ob man einfach Glück hat, hängt vom Aberglauben” jedes Einzelnen ab.

straße in nürnberg
Der Bau des Alten Rathauses – heute im Hof des jüngeren Wolff’schen Rathausbaus – erfolgte
ebenfalls im 14. Jahrhundert, sein Saal galt als größter Saalbau nördlich der Alpen. Im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1504 bis 1506 gewann Nürnberg einige Städte und wichtige Zufahrtsstraßen nach Böhmen hinzu. Zu diesem Zeitpunkt besaß die Stadt auch das großte Territorium aller deutschen Reichsstädte und war an Größe und Bedeutung mit italienischen Stadtrepubliken vergleichbar – Nürnberg war auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt. Nachdem Martin Luther 1517 seine Thesen an die Wittenberger Stadtkirche geschlagen hatte und damit offen die Reformation der Kirche forderte, fielen seine Ideen und Forderungen in Nürnberg auf fruchtbaren Boden. Das Volk schloss sich mehrheitlich der Lehre Luthers an. Das fand auch Widerhall in der Nürnberger Kunstwelt. Hans Sachs schrieb das Lied von der „Wittenbergisch Nachtigall“ und Albrecht Dürer malte 1526 die vier Apostel als Bekenntnis zur lutherischen Lehre.

Der evangelische Ritus wird in Nürnberg offiziell 1525 eingeführt. Die darauf folgende kaiserliche Distanz zu Nürnberg wird durch die Tatsache bezeugt, dass der letzte Reichstag 1543 in Nürnberg abgehalten wurde. Jedoch, dem Nürnberger Traditionsbewusstsein sei Dank, die schönen Heiligenfiguren und Kirchen blieben erhalten, und es gab keinen „Bildersturm“ wie andernorts. Der wirtschaftliche Erfolg der Noris resultierte aus der zentralen Lage am Schnittpunkt wichtiger Heer- und Handelsstraßen. Berühmt wurde der Fernhandel der Stadt. Der Nürnberger Patrizier Martin Behaim (1459 – 1507) wirkte mit, das Zeitalter der uberseeischen Entdeckungen herbeizuführen. Seine Erfindung die Binnenstadt Nürnberg nicht vom Geist der Entdeckerzeit verschont blieb. An verschiedenen überseeischen Unternehmungen beteiligten sich auch Nürnberger Bürger, aber Kapitalmange1 und mangelnde Entscheidungsfreude hinderten sie am Erwerb von Kolonien, wie sie beispielsweise die Augsburger Fugger und Welser gewannen. Der Nürnberger Geschäftsmann dieser Zeit beteiligte sich lieber am Montanwesen. vor allem am Silberhandel und am Kupferbergbau. Neben dem Metallgewerbe war die Spielwarenmanufaktur herausragend. Der Ausspruch „Nürnberger Tand geht durch alle Land“ erinnert noch heute an den Erfolg dieses Gewerbes.

Eindrucksvoll war auch der Erfindergeist in der Stadt. Die ..Nürnberger Schere, die Taschenuhr – das „Nurnberger Ei“ – von Peter Henlein, der Drehstuhl, der Schraubstock, das Radschloss fürs Gewehr, um nur einige zu nennen, beweisen den Einfallsreichtum.

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