Nürnberg war ebenfalls ein früher Schrittmacher der Geldwirtschaft zur Finanzierung der kostspieligen fürstlichen Politik. Von 1449 bis 1622 verdoppelte sich die Zahl der Einwohner von 20.211 auf rund 40.000. Zwischen 1450 und 1550 erlebte die Kultur der Stadt ihre Hochblüte. Albrecht Dürer (1471 – 1528) schuf seine Gemälde, Kupferstiche, Holzschnitte und entwickelte seine berühmte Proportionallehre. Veit Stoß (1447 – 1533), der großartige Holzbildhauer, Kupferstecher, Maler und Architekt gestaltete neben anderen bedeutenden Werken den Engelsgruß in der Lorenzkirche. Adam Kraft (um 1455 – 1508), der Steinbildhauer und Schöpfer des Schreyerschen Grabmals an der Sebalduskirche zeichnete sich vor allem durch meisterliche Charakterisierung seiner Gestalten aus. Peter Vischer d.Ä. (um 1465 – 1529). Erzgießer und Besitzer der damals bedeutendsten Gießhütte Deutschlands betätigte sich vor allem als Schöpfer von Grabdenkmälern. Das Sebaldusgrab ist sein gewaltigstes Werk.

Den verhältnismäßig hohen Bildungsstand, nicht nur der gehobenen Patrizier, sondern auch der einfachen Handwerker zeigt der Meistergesang. Handwerker wandelten das höfische Minnesingen zu einem einstimmigem Gesang in bürgerlich lehrhafter Form um. Hans Sachs (1494 – 1576), der Schuhmacher, Poet und Meistersinger schuf damit eine völlig neue Form volkstümlicher deutscher Dichtung. Er hinterließ 5.500 Werke, die biblische und auch antike Stoffe behandeln. Durch ihn wurde das Bildungsgut der Antike breiten Schichten zugänglich.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts waren aber auch in der Noris die allgemeinen Probleme unübersehbar. Pestepidemien schwächten die Bürgerschaft. Man kämpfte mit der Abwehr gegenreformatorischer Bestrebungen, um seinen protestantischen Glauben behaupten zu können. Während in anderen Teilen des Reiches schon der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) wütete, entstanden in Nürnberg noch Prestigebauten wie das Neue Rathaus (1616 – 1622) nach seinem Erbauer Jakob Wolff d.J. Wolff’scher Bau genannt. Dieses Bauwerk überträgt zum ersten Mal den Typ des italienischen Stadtpalastes der Hochrenaissance nach Deutschland. Drei schwungvolle Portale mit Figurenschmuck, die allegorisch Regierung. Tradition und Stärke darstellen und drei Pavillonaufbauten nach dem Muster französischer Schlossarchitektur imponieren noch heute.

Die historischen Lochgefängnisse aus dem 14. Jahrhundert zeigen aber auch, dass diese Zeit nicht nur an den beeindruckenden architektonischen Zeugnissen gemessen werden sollte. Der große Rathaushof mit seinen steinernen Arkadengängen erinnert an die  italienischen Vorbilder. Der originelle Gänsemännlein-Brunnen von Pankraz Labenwolf spiegelt die Überheblichkeit der Städter gegenüber der Landbevölkerung wider, der nichtsdestotrotz als die bekannteste deutsche Brunnenplastik der Renaissance gilt. Der Prestigebau des Rathauses täuscht darüber hinweg, dass die eigentliche Macht nicht in den Händen der Bürger lag, sondern von nur wenigen Patrizierfamilien ausgeübt wurde. Die Mehrheit der Bürger hatte nur formale Mitbestimmungsrechte. 1622 wurde die Erhebung der Akademie im zu Nürnberg gehörenden Altdorf  zur Universität durchgesetzt.

Was bereits im 16. Jahrhundert nach Entdeckung der neuen Welt begonnen hatte – die Verlagerung des Macht- und Handelsschwerpunktes nach Spanien, Portugal, Frankreich und England – weitete sich während des Dreißigjährigen Krieges aus. Das Reich und seine einst so mächtigen Reichsstädte waren kraftlos, die Territorien verwüstet, die Bevölkerung dezimiert und die Städte hoffnungslos verschuldet. Der Nürnberger Handel erlebte nun seinen endgültigen Niedergang, die Patrizier zogen sich aus dem Fernhandel zurück und die bürgerlichen Kaufleute hatten im Krieg große Verluste erlitten. Nun übernahmen vor allem Italiener, Engländer und Niederländer die Schlüsselstellungen im Nürnberger Wirtschaftsleben.

Erstaunlich ist das kulturelle Engagement der geschwächten Stadt, die trotz wirtschaftlicher Stagnation eine Art „kultureller Nachblüte” erlebte. Die Altstadt erhielt zu diesem Zeitpunkt Prägungen im Stil der Renaissance. 1556 bis 1564 wurden die Rundtürme der Stadtbefestigung gebaut. Von 1596 bis 1598 errichtete man die Fleischbrücke – angeblich nach dem Vorbild der Rialtobrücke in Venedig – auf deren rechter Seite der 80 Zentner schwere steinerne Ochse steht, der laut Inschrift „nie ein Kalb gewesen ist”.

1718 entstand die einzige Barockkirche Nürnbergs, die St. Egidien-Kirche. Sie wurde auf dem Standort eines schottischen Benediktinerklosters aus dem 12. Jahrhundert errichtet. Die  strenge Monumentalität, die bereits klassizistische Züge trägt, steht ganz im Zeichen des protestantischen Barocks. Heute sieht man allerdings nur eine Nachbildung, denn das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ende des 18. Jahrhunderts waren die Stadtkassen leer. 1794 gelang es Bürgern im „Grundvertrag” eine Mitwirkung an der Finanzverwaltung durchzusetzen. 1797 musste der Kaiser sogar eine Sanierungskommission nach Nürnberg entsenden. um die Finanzlage zu verbessern. Währenddessen war die Stadt schon mehrfach von französischen Truppen besetzt gewesen. 1806 führte der Sieg Napoleons über Österreich und Preußen zum Zerfall des ,,Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation” und zur Bildung des Rheinbundes. Bayern erhielt als Lohn für seine frankreichfreundliche Haltung 1802 die Bistümer Bamberg und Würzburg, 1805 Ansbach und 1806 schließlich die souveräne Stadt Nürnberg. Nach der Eingliederung in das bayerische Königreich begann für Nürnberg eine völlig neue Epoche. Die ehemals so bedeutende Reichsstadt, das Macht- und Wirtschaftszentrum wurde zur Provinzstadt degradiert. Um die Schulden der Stadt auszugleichen, wurden zahlreiche Kunstwerke, unter ihnen bedeutende Werke Peter Vischers und anderer Künstler. verschleudert. Die Universität wurde geschlossen, Kirchen auf Abbruch verkauft. 1808 war Nürnberg noch administrativer Mittelpunkt des Pegnitzkreises. doch 1810 wurde auch dieser nach Ansbach verlegt. Der größten Stadt Frankens blieb damit ein Regierungssitz vorenthalten und sie sank zur politischen Bedeutungslosigkeit herab. An die Stelle des reichsstädtischen Rechts trat die neue bayerische Gesetzgebung, alte Bräuche wurden aufgehoben und die Wehrpflicht eingeführt. All das und die Verletzung des Nürnberger Selbstverständnisses als freie Bürgerschaft führte nicht gerade zu einer positiven Stimmung gegenüber den neuen Machthabern.

Wie überall in Franken, sehnten sich auch in der Noris viele wieder nach der Herrschaft der Hohenzollern zurück und verdammten eher die Wittelsbacher Könige. Doch die Nürnberger nutzten die neue Zeit auch, um zu einem neuen wirtschaftlichen Aufstieg zu finden. Der Wiener Kongress schuf zunächst die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden und damit für eine stabile Entwicklung. Den Auftakt zum allgemeinen Aufschwung bildete 1835 die erste Dampfeisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. Pioniere wie Cramer-Klett, Schuckert und Faber machten Nürnberg zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt in Bayern. 1837 begann der Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals, sowie der Bau der Staatseisenbahn ab 1844. Diese Projekte symbolisierten auch für die Zeitgenossen den Aufbruch in eine neue Epoche – die industrielle Revolution.

Daraus resultierte wiederum die Entstehung der Arbeiterbewegung. Soziale Probleme traten besonders in den unteren Schichten der Gesellschaft auf. Die allgemeine Unruhe in Deutschland gipfelte 1848 in der Revolution. Ihre Auswirkungen waren zwar auch in der fränkischen Industriestadt spürbar, ihre Zentren lagen jedoch anderswo. 1852 gründete Hans von Aufseß das Germanische Nationalmuseum, mit dem Ziel, einen umfassenden Überblick über die kulturelle Entwicklung des deutschen Volkes zu geben. Seit der Romantik war das mittelalterliche Nürnberg ein Ort der Bewunderung. Die Verherrlichung gipfelte in der Verehrung Nürnbergs durch Wagners Meistersinger.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es den Juden sich auch in Nürnberg zu emanzipieren, und 1869 entstand am Spitalplatz eine Synagoge. 1871 war es soweit: Die Reichseinigung wurde durch Bismarck durchgesetzt, nun waren die Voraussetzungen für eine einheitliche Entfaltung des zersplitterten Reiches geschaffen. Nürnberg wandelte sich unter diesen günstigen Umständen zu einer modernen Großstadt. Aufgrund ihrer zahlenmäßig starken Arbeiterschaft wurde sie die Hochburg der bayerischen Sozialdemokratie. Karl Grillenberger wurde als erster Arbeitervertreter in den bayerischen Landtag entsandt.

Nachdem in den ersten Jahren der Weimarer Republik in Nürnberg moderne Fabriken entstanden waren und die Nürnberger Industrie eine führende Rolle in den traditionellen Branchen wie Handwerk oder Spielwaren spielte, brachen in der Weltwirtschaftskrise zahlreiche Firmen zusammen und die Arbeitslosigkeit stieg auch in Nürnberg stark an. Am 9. März 1933 hisste die nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei die Hakenkreuzfahne auf dem Nürnberger Rathaus. Der Oberbürgermeister wurde verhaftet, die sozialdemokratischen Stadträte abgesetzt. Hitler machte Nürnberg in Anknüpfung an seine sich selbst zugewiesene Rolle im Heiligen Römischen Reich zur Stadt der Reichsparteitage. 1935 wurde die Stadt durch die „Nürnberger Gesetze” zum Synonym für die Entrechtung tausender jüdischer Bürger in Deutschland.

kirche nurnberg
Das Reichsparteitagsgelände demonstriert noch heute die Maßlosigkeit eines Regimes, das mit diesem Bauwerk antike Vorbilder nachahmen wollte und in seinem grauenhaften Fanatismus und Rassenwahn jegliche humanistischen Ideale verriet. Die jüdische Gemeinde. die davon am schlimmsten betroffenen Nürnberger, schrumpfte innerhalb der Jahre 1933 bis 1939 um zwei Drittel. Die Synagoge wurde in der Reichskristallnacht zerstört, jüdische Wohnungen verwüstet und das Vermögen jüdischer Bürger beschlagnahmt. Der Holocaust forderte auch in der Noris tausende Opfer. Der Zweite Weltkrieg brachte unermessliches Leid über die Bevölkerung: 11.511 Gefallene, 7.500 Verminte, 5.298 Luftkriegstote, tausende Obdachlose und eine zerstörte Stadt. Die Alliierten nutzten ab 1946 das zerstörte .,Nazisymbol” Nürnberg für die Abhaltung der „Nürnberger Prozesse”, in denen sie versuchten, mit der grausamen deutschen Vergangenheit abzurechnen. Nürnberg begann trotz der großen Zerstörungen, seine Identität wiederherzustellen. Es wurde rekonstruiert, auf- und neu gebaut. Heute kann die Noris als die besterhaltene Großstadt des deutschen Mittelalters gelten. Unter größten Anstrengungen gelang es der Stadt, ihre historische Substanz in Einklang mit dem Ausbau zur Industriegroßstadt zu bringen. Heute begegnet man in Nürnberg der deutschen Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen. Die Stadt bietet die großartige Chance, Altes mit Neuem zu verbinden, ob in Architektur, Kunst. Kultur, Wirtschaft oder in den Köpfen der Menschen.August 2007 (15)Neue Konzerttermine in Franken Morgen endet das Affiliate-Video-Voting Elf Jahre Haft für Angeklagten 15jährige vermutlich von Mutter in der Küche erstochen Brochier-Insolvenz: Anklage gegen zwei britische Kaufleute Brückenfestival in Nürnberg 0:2 zum Saisonauftakt

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